Von Mehlklößen und Wasserspatzen

Was für die Schwaben und die Badener die Spätzle sind, das sind für die Eifeler ihre Mehlklöße. Wenn ich mit älteren Leuten spreche, dann bekomme ich immer wieder von den Mehlklößen erzählt. Für viele war es Essen ihrer Kindheit. Kein Wunder. Die Eifel war ja bekanntlich eine arme Region. Mehlklöße waren billig und schnell gemacht. Und alles, was die Hausfrauen dazu brauchten, hatten sie in der Regel im Haus: Mehl, Milch und Eier. Daraus ließ sich dann sehr schnell eine Mahlzeit zubereiten, die die Familie satt gemacht hat.  Und das gilt bis heute.

Mehlklöße – mal süß, mal herzhaft

Die Mehlklöße gibt es in verschiedenen Varianten. Jeder macht sie in bisschen anders.  Da sie relativ neutral schmecken, so wie Spätzle und Nudeln allgemein, können sie zusammen mit einer süßen oder herzhaften Beilage gegessen werden. Oft wurde früher gemischtes Backobst dazu gegessen ode auch Zimt und Zucker darüber gegeben. Bei der herzhafte Variante, die mir besonders gut schmeckt, gebe ich ausgelassenenSpeck und geröstete  Zwiebeln drüber.  Sie können aber auch als Beilage für ein kräftiges Gulasch serviert werden. Ich persönlich bevorzuge dann aber eher die dünneren Spätzle. Die Mehlklöße sind, wie der Name schon sagt, wesentlich dicker.

Das folgende Rezept habe ich von der Kottenheimerin Edith Richter, die das Rezept wiederum von ihrer Großmutter übernommen hat. Das Besondere hierbei. In den Teig kommt noch Brot rein. Zusammen mit den abgeschmelzten Semmelbröseln schmeckt das sehr lecker.

Das Rezept:  Mehlklöße mit Kompott

40 g    Butter
¼ l        Milch
3-4      Eier
400 g Mehl
1 TL    Backpulver
1          trockenes, eingeweichtes Brötchen
1 TL   Salz
gehackte Petersilie, Salz und geriebene Muskatnuss

Für die gerösteten Semmelbrösel:
30 g Semmelbrösel
30 g Butter

Das Brot in lauwarmer Milch einweichen, alle Zutaten außer der Petersilie und dem Muskat zu einem Teig verkneten, bis er Blasen wirft, dann Petersilie und Muskat unterheben.
Mit einem Esslöffel Teig abstechen und in kochendes Wasser geben. Wenn die Klöße ob schwimmen, sind sie fertig.
Semmelbrösel und Butter in einer Pfanne anrösten und über die Klöße geben.

Gesamte Zubereitungszeit ca. 15 Minuten.
Dazu passt sehr gut Obstkompott, Apfelmus oder Backobst.

Omas Mehlklöße als Variante:

500 g Mehl
1/4 l   Milch
3          Eier
2 EL   Butter
1 TL   Salz
Muskat

Von Butter, Eiern, Mehl und Milch wird ein Teig gemacht, den man solange schlägt, bis er Blasen wirft.
Danach werden mit einem nassen Esslöffel Klöße ausgestochen  und 15 Minuten in siedendes Salzwasser gegeben.

Wasserspatzen

Was die Mehlklöße für die Eifel sind, das sind die Wasserspatzen für den Hunsrück. Aber auch im Westerwald kennt man sie. In meiner losen Blätter-Sammlung an Rezepten habe ich ein Rezept für „Wasserspatzen“ gefunden. Ich habe es von Nonnen des Klosters Waldbreitbach bekommen. Wasserspatzen und Mehlklöße gibt es also auch dort. Im Kloster werden die Wasserspatzen noch heute gerne in der Fastenzeit gegessen. Besonders gut schmecken sie mir in der herzhaften Variante.

Rezept für Wasserspatzen

300 g Mehl
2          Eier
10 EL Mineralwasser
3 TL   Quark

1 Becher Saure Sahne
250 g        Dörrfleisch
1                  Zwiebel
2                  alte Brötchen oder etwas Toastbrot
100 g        Butter

Aus Mehl, Eiern, Mineralwasser und Quark einen Teig zubereiten. Mit zwei Löffeln „Spatzen“ abstechen und in kochendem Wasser solange sieden lassen bis sie oben schwimmen. Mit einem Schaulöffel heraus nehmen. Zwiebeln und Dörrfleisch anbraten, Brötchen oder Toastbrot in Würfel schneiden und in der Butter knusprig werden lassen. Die Wasserspatzen auf einem Teller anrichten, Zwiebel, Dörrfleisch und Croutons darüber geben und einen Esslöffel Saure Sahne. Wer die Wasserspatzen lieber süß isst, kann Apfelmus dazu servieren.

Nachdem ich jetzt die Rezepte für Mehlklöße und Wasserspatzen geschrieben habe, fällt mir auf, dass die noch ärmere Verwandtschaft der Eifel in Schwaben gelebt haben muss. Während in die Mehlklöße oder Wasserspatzen noch Butter, Milch, Brot oder Quark rein kommt, reichte es bei den schwäbischen Spätzle offenbar nur für Mehl, Wasser und Ei.

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