Literatur aus der Eifel

 Hervorragender Eifelroman – „Ameisen brennen nicht“

von Werner Lutz

Ameisen brennen nicht

„Ameisen brennen nicht“ – darum geht es im Buch:

Der elfjährige Georg lebt im kleinen Eifeldorf Faid, unweit von Cochem und Kaisersesch entfernt. Sein Vater ist Bäcker und immer, wenn Georg etwas ausgefressen hat, muss er eine Stunde oder länger auf dem Salzsack in der Backstube sitzen. Er muss sich dabei mit dem Vater unterhalten oder Rechenaufgaben lösen. Wenn Georg nicht auf dem Salzsack sitzt, zieht er mit seinen Freunden durchs Dorf. Mit dabei auch in jenem „schicksalhaften Eifelsommer“ die gleichaltrige Regina, ein Mädchen aus der Stadt, das im Dorf seine Ferien bei Verwandten verbringt. Sie integriert völlig unvoreingenommen den behinderten Arthur in Georgs Clique. Der Leser erfährt, dass süße Teilchen selbst für die Bäckerfamilie damals Luxus waren und wer jemals „Hasenbrot“ gegessen hat, wird sich bei der Lektüre des Romans wieder an seinen Geschmack erinnern. Lange Zeit wird das Dorfleben aus der Sicht von Georg beschrieben, was fast genauso spannend ist wie die zweite Hälfte des Buches, in der es um einen Mordfall geht. Die nur scheinbare Dorfidylle, hinter deren Kulisse Behinderte wie Tiere gehalten werden und Männer ihre Kinder und Frauen züchtigen, Jugendliche zum Spaß Frösche aufblasen und zerplatzen lassen, zerbricht völlig, als die Kinder eine Leiche in einem Ameisenhaufen entdecken. Noch bevor die Polizei ermitteln kann, wird sie angezündet. Die Suche nach dem Mörder beginnt.

Über den Autor Werner Lutz:

Werner Lutz wurde 1946 in Faid geboren und war lange Lehrer in Kaisersesch und Schulleiter der Realschule Plus in Nachtsheim. Er hat selbst drei Kinder und ist inzwischen Opa. 15 Jahre lang war Werner Lutz Stadtbürgermeister von Kaisersesch. „Ameisen brennen nicht“ ist sein erster Roman. An einem zweiten arbeitet er zur Zeit. Die Geschichte mit der Leiche im Ameisenhaufen geht auf eine Erzählung seiner Mutter zurück. Diesen Vorfall soll es also tatsächlich in Faid gegeben haben. Lutz selbst ist in einer Bäckerfamilie mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Behütet, wie er sagt. Auch wenn die Kinder viel mitarbeiten mussten, fühlten sich er und seine Geschwister in ihrer Familie doch sehr behütet, sagt er. Lutz nennt das „Gehöschnis“, das ist ein Eifeler Ausdruck für das „Gefühl von Geborgenheit“. Vieles von dem, was Werner Lutz beschreibt, hat er also selbst erlebt und erinnert. Anderes wiederum geht auf Erzählungen zurück. Orts- und Flurnamen hat Werner Lutz beibehalten, nur die Namen der handelnden Personen im Roman habe er geändert.

Werner Lutz

„Ameinsen brennen nicht“ – Mein Fazit:

Werner Lutz hat die Stimmung im Mikrokosmos des Eifeldorfes ganz hervorragend eingefangen. In einem flüssigen, sprachlich anspruchsvollen Schreibstil und mit lebendigen Dialogen wird die Geschichte spannend erzählt. Ein Heimatroman als Pageturner – in der Form habe ich das noch nicht erlebt. Viele, die auf dem Dorf in den 50er Jahren aufgewachsen sind, werden sich in dem Roman wieder erkennen. Die Personen im Roman schildert Werner Lutz sehr plastisch und einfühlsam: die lieben und die bösen Buben oder die Handwerker und Wirte im Ort, die hart arbeiten müssen, um ihre Familien durchzubringen. Und dann sind da noch Georgs erste kindliche Liebe Regina, der behinderte Arthur, die streng gläubige Mutter und der mal verständnisvolle, mal strenge Vater oder der durchreisende Tuchmacher, der den Roman zum Krimi macht. Sie alle werden beim Lesen sehr lebendig und es entsteht ein wunderbarer Film im Kopf: in Schwarz-Weiß, versteht sich. Schön wäre es, wenn es ihn auch irgendwann mal in Farbe gäbe. Und zwar ganz real im Fernsehen. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach hervorragend als Filmvorlage.

„Ameisen brennen nicht“ von Werner Lutz. Das Buch gibt es im Online-Shop des Rhein-Mosel-Verlags oder aber in jeder Buchhandlung.

Offenlegung: Das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Rezension wurde davon nicht beeinflusst.

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