Als meine Tochter vor vielen Jahren aus dem Kindergarten kam und davon berichtete, dass sie ein „Eischhörnschen“ gesehen habe, da wusste ich: meine baden-württembergische Familie ist in der Eifel angekommen. Es hatte das eifeltypische „sch“ statt dem „ch“ übernommen. Das alleine ist ja noch kein Dialekt. Als das Kind allerdings wenig später seinen Sprachschatz um Sätze wie: „Darf die Sandra bei mich kommen?“ erweiterte, war das schon nahe am Moselfränkischen dran und wir Eltern doch schon etwas besorgt. Würde das Kind die Schule mit dieser Art von Sprache schaffen? Die Sorge war unbegründet. Sie hat die Schule und sogar die Uni geschafft. So wie ganz viele Eifelbewohner oder andere, die Dialekt sprechen. Deshalb wäre es wirklich schade, wenn das Eifeler Platt aussterben würde.

Das Eifeler Platt ist ein (überwiegend) moselfränkischer Dialekt, was erst mal ziemlich widersprüchlich klingt. Moselfränkisch wird in den unterschiedlichsten Variationen nicht nur an der Mosel, sondern eben auch in der Eifel gesprochen. Darüber hinaus im Westerwald, im Siegerland, im Hunsrück, in Belgien, im Saarland und in Lothringen oder in Luxemburg. Ganz im Norden der Eifel hatten die Moselfranken allerdings nichts zu melden, da sorgten die Ripuarier dafür, dass dort rheinischer Dialekt gesprochen wird. So wie z.B. auch im Bereich von Bad Neuenahr.

Moselfränkisch  – wieder entdeckt

Der Eifelbildverlag in Daun  hat  Postkarten  mit originellen Sprüchen auf Eifeler Platt gedruckt, und sie gehen weg wie geschnitten Brot. Ebenso wie die bedruckten Tassen.

Dialekt wird auch in dem neuen Eifeler Kinderliederbuch mit traditionellen Liedern der Ureinwohner aus der Eifel gesprochen, bzw. gesungen.

Jetzt müssen die Kleinen den Dialekt nur noch verstehen. Aus Angst, dass ihre Kinder in der Schule abgehängt werden könnten, sprechen inzwischen viele Eltern mit ihren Kindern Hochdeutsch. Diese Angst ist aber völlig unbegründet. Sprachwissenschaftler haben herausgefunden, dass Kinder, die Dialekt sprechen, ein besseres Sprachgefühl haben und leichter Fremdsprachen lernen. Und so gibt es in meiner Eifel gleich zwei Initiativen, die Kindern Nachhilfe in Dialektsprechen geben. In Rieden und im benachbarten Langenfeld.

Dialektunterricht in Rieden in der Eifel

Die Riedenerin Monika Hackenbruch übt regelmäßig mit Kindern aus dem Ort neue Vokabeln und ganze Sätze. Inzwischen können die Jungen und Mädchen sich schon mit ihren Omas und Opas ein bisschen auf Eifeler Platt unterhalten. Die sprechen nämlich meistens noch Platt. Im Sommer wird in Monika Hackenbruchs Garten gelernt, im Winter in einer gemütlichen Gartenlaube bei Holzfeuer und selbst gebackenem Kuchen.

Dialektunterricht in Langenfeld in der Eifel

Nur wenige Kilometer von Rieden entfernt gibt es in  Langenfeld in der Eifel eine ähnliche Initiative. Hier unterrichtet der Arzt Albert Theisen regelmäßig Grundschulkinder in Eifeler Platt. Die haben Spaß daran. Jede Woche stellt Albert Theisen seinen Unterricht unter ein bestimmtes Motto, etwa Garten und Pflanzen. Und dann wird darüber im Dialekt gesprochen. Theisen selbst ist im benachbarten Acht  aufgewachsen und hat auch während seiner langen Zeit in Mainz das Eifeler Platt nicht verlernt. Er sagt, wer Platt spricht, kommt näher an die Leute ran, schafft Vertrautheit.

Unterhaltsame Literatur zum Eifeler Platt

„Ein Kaffee zum Mitholen“ und „Majusebetter“ heißen die beiden Bücher, die die Sprachwissenschaftlerin Yvonne Treis  geschrieben hat. Sie selbst kommt aus St. Aldegund im Kreis Cochem-Zell, lebt aber überwiegend in Paris.

Yvonne Treis bei einer Lesung aus „Majusebetter“ 2016 in Polch

In ihren beiden Büchern nimmt sie das Moselfränkisch unter die Lupe, erklärt einzelne Ausdrücke, ordnet sie sprachwissenschaftlich ein und erzählt unterhaltsame Geschichten drumherum.

Sowohl „Ein Kaffee zum Mitholen“ als auch „Majusebetter“ sind mit ausgesprochen hübschen und lustigen Zeichnungen von Schülern der IGS Zell an der Mosel illustriert. Mir gefallen beide Bände ganz hervorragend. Die Autorin schreibt mit viel Humor – oder ist es der Dialekt, der so lustig ist? Jedenfalls habe ich meine Mitmenschen in der Eifel mit diesen Büchern viel besser verstehen gelernt. Vorbei die Zeit, wo ich im Wartezimmer meines Hausarztes darüber grübelte, aus welchem Land die beiden Herren wohl stammen könnten, die sich so angeregt und lautstark in einer mir völlig fremden Sprache unterhielten. Und ich denke auch nicht mehr darüber nach, die Polizei zu rufen, wenn ich jemanden sagen höre: „Tu dem Kind wat an!“. Ich weiß jetzt, dass der Vater dem Kind lieber noch eine Jacke anziehen sollte und nicht umgebracht werden soll.

 

Und hier noch eine kleine Vokabelliste für Neueinsteiger:

Kaffe zum Mitholen = Coffee to go, Kaffee zum Mitnehmen

Majusebetter = Ach herrje, Ojemine (laut Yvonne Treis setzt sich das Wort aus den Heiligen Maria, Josef und Peter zusammen)

Kirsche = Kirche

Dajeeh = los geht’s

Batscheler = Quasselstrippe

Noch mehr Eifeler Platt gibt es hier.