Eifelkultur

 Außergewöhnliches Theatererlebnis bei den Burgfestspielen Mayen 2018 – „Terror“

Das Gerichtsschauspiel „Terror“ ist nicht das typische Freilichttheater-Stück für laue Sommerabende. Die Zuschauer, beschwingt und gutgelaunt von so viel Sonne, wollen sich ungern die gute Laune mit Tragodien verderben lassen, die möglicherweise nicht mal ein Happy End haben. Oder doch? In Mayen kam das Stück bei den ersten Vorstellungen hervorragend an. Also scheint es zu funktionieren. Intendant Daniel Ris hat das Experiment gewagt, „Terror“ von Ferdinand von Schirach erstmals auf einer Freilichtbühne zu präsentieren. Deutschlandweit ist es derzeit das meistgespielte Stück.

Die Handlung

Es geht um die Frage, ob der Bundeswehrpilot Lars Koch vom Gericht verurteilt werden soll. Er hat ein von Terroristen entführtes Flugzeug mit 164 Passagieren an Bord abgeschossen, das über einem Stadion mit 70.000 Menschen zum Absturz gebracht werden sollte. Er hat ohne Befehl gehandelt, aus der Überzeugung heraus, dass es besser ist 164 Menschen zu opfern als 70.000 sterben zu lassen.

"Terror", Burgfestspiele Mayen
"Terror", Burgfestspiele Mayen

Jetzt wird ihm der Prozess gemacht, denn das Bundesverfassungsgericht hat klar entschieden, dass man Menschenleben nicht gegeneinander aufwiegen kann. Der Mensch keine Sache sei, sondern jeder einzelne seine unverletztliche Würde besitze. Während der Gerichtsverhandlung auf der Bühne werden Argumente und Gegenargumente für und wider die Entscheidung des Piloten vorgebracht, der wegen Mordes an 164 Menschen angeklagt ist. Das ist harter Tobak für den Zuschauer, der immer am Ball bleiben muss, wenn er den Argumentationsketten folgen will. Was dann aber doch wieder nich so aschwer ist wie es anfangs scheint. Denn das Theaterstück entwickelt einen unglaublichen Sog und ist spannend vom Anfang bis zum Ende.

Und das Ende ist gar nicht so weit. Die Zuschauer der Mayener Burgfestspiele sind selten so kurz auf ihrem Klappstuhl im Burghof der Genovevaburg gesessen. Das Stück dauert kaum 1 1/2 Stunden. Nach der Pause verkündet die Richterin das Urteil und begründet es.  Dann ist das Stück zu Ende.