Eifel-Landschaften

Basaltkreuze in der Osteifel

Auf meinen Fahrradtouren und Wanderungen durch die Eifel begegne ich immer wieder Wegekreuzen und Bildstöcken. Oft mitten im Nirgendwo, zwischen Weizenfeldern und Rapsäckern. Besonders auffallend sind die schwarzen Basaltkreuze der Osteifel. Mystisch und fotogen zugleich.
Der Heimatforscher Kurt Müller-Veltin hat 4500 Wegekreuze und 6000 Grabkreuze auf 30 Kilometern zwischen Rhein, Ahr und Mosel gezählt.
Es ist nicht verwunderlich, dass für die Kreuze Basalt verwendet wurde, denn es war das Material, das die vulkanische Eifel in Hülle und Fülle hervorbringt. Aus ihm stellten schon die Römer Mühlsteine her.
Mystisch und fotogen - Basaltkreuze in der Osteeifel, Basaltkreuz bei Gappenach
Mystisch und fotogen - Basaltkreuze in der Osteifel mit Blick auf Rapsfelder

Basaltkreuz in der Nähe von Gappenach bei Polch

Basaltkreuz bei Einig mit Blick über das Maifeld

Wozu wurden Basaltkreuze aufgestellt?

Die Basaltkreuze in der Osteifel wurden aus ganz unterschiedlichen Gründen aufgestellt. Im Mittelalter sollten sie vor Naturgewalten wie Blitz und Hagel schützen, vor Tierseuchen oder der Pest. Vielleicht sollten wir mal wieder eins aufstellen….

Manche Wegekreuze sind ehemalige Grabkreuze, die unsere Vorfahren vom Friedhof aufs Feld brachten. Aber sie stellten auch Kreuze für Ermordete und Verunglückte am jeweiligen Unglücksort auf. Offensichtlich waren das nicht Wenige. Denn im 19. Jahrhundert wollte die preußische Regierung laut Wikipedia diese Sitte abschaffen. Sie fürchtete, dass Reisende bestimmte Wege aus Angst vor Wegelagerern meiden könnten angesichts der vielen Sühnekreuze.

Basaltkreuze in der Osteeifel, Kreuz mit Bank
Basaltkreuze in der Osteifel, Wegekreuz auf dem Weg zur Klosterruine Mädburg
Basaltkreuze in der Osteifel als Orientierungshilfe

Oft meiselten Steinmetze Schriftzüge in die Basaltkreuze ein und malten sie farbig aus. Manchmal steht der Name des Verstorbenen darauf, manchmal eine ganze Geschichte. Um einige Kreuze ranken sich Sagen, andere markieren lediglich  Grenzen.

Apropos markieren… in Wanderkarten sind solche Wegekreuze oft als Orientierungshilfen eingezeichnet, da sie nicht selten die einzigen markanten Punkte in der Landschaft darstellen oder an Kreuzungen und Gabelungen stehen.

Verstecktes Juwel - Die Klosterruine Mädburg,Basaltkreuze in der Osteifel,Wegekreuz Nähe Mädburg

Eines von sehr vielen Basalt- und Wegekreuzen, die auf dem Weg zur „Klosterruine Mädburg“ im Elztal zu sehen sind.

Basaltkreuze in der Osteifel als Fotomotiv und Inspiration

Auch wenn sie nicht mehr die religiöse Bedeutung haben wie früher, so sind die Basaltkreuze in der Osteifel heute für Wanderer und Hobbyfotografen wunderschöne Blickfänger. Sie können die Monotonie einer Landschaft aufbrechen oder einem Ort etwas Mysthisches verleihen.

Und sie können der Auslöser für einen Roman sein. So wie bei der Kölner Autorin Petra Reategui. Sie hat bei einem Spaziergang auf dem Maifeld ein sogenanntes Mordkreuz entdeckt, das sie zu dem historischen Kriminalroman „Moselhochzeit“ inspiriert hat. Er spielt zwischen Mosel und Osteifel und erzählt die Geschichte des Bauern Joseph Brachtendorf, der 1814 bei Moselsürsch erschlagen aufgefunden wurde.

Das Mordkreuz für den erschlagenen Joseph Brachtendorf bei Moselsürsch, Foto: Petra Reategui

Kreuzräuber

Basalt ist so witterungsbeständig, dass immer wieder Mühlsteine aus der Römerzeit gefunden werden, die komplett erhalten sind. Natürliche Feinde hat das Basaltkreuz also nicht. Wie so oft ist es der Mensch, der dafür sorgt, dass sie im Laufe der letzten Jahrzehnte immer weniger wurden. Sie mussten Straßenbauprojekten oder Neubaugebieten weichen. Wenn alles gut lief, setze man sie zumindest um.

Ein schier unglaubliches Phänomen: Weil Antiquitäten in den 70er und 80er Jahren angesagt waren, wurden Basaltkreuze in der Osteifel sogar zu begehrten Sammlerobjekten. Diebe haben solche Kreuze schlichtweg geklaut. Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor, da sie sich so einen Basaltbrocken nicht einfach unter den Arm klemmen konnten.

Das gestohlene „Das Klosenkreuz“ von Welling

In Welling bei Mayen stand mehr als drei Jahrhunderte das „Klosenkreuz“ auf einer weiten hügeligen Fläche zwischen Getreide und Raps. Es war 3,40 m hoch. Der Wellinger Herbert Gilgenbach hatte es gerade erst aufwändig restauriert, da es in 22 Teile zerbrochen war. Er musste es mit Eisen in der Mitte stabilisieren und mit einem Kranwagen wieder aufstellen. Im Jahr 2015 war es plötzlich über Nacht verschwunden. Nur den Sockel, der alleine schon eine Tonne wiegt, ließen die Diebe zurück Bis heute ist das Kreuz nicht wieder aufgetaucht.

Mystisch und fotogen - Basaltkreuze in der Osteifel,Reste des Klosenkreuzes bei Welling
Mystisch und fotogen - Basaltkreuze in der Osteifel, Kreuz bei Welling

Vom 2015 gestohlenen „Klosenkreuz“ bei Welling ist nur noch der Sockel übrig geblieben. Es stammte aus dem Jahr 1668.

Ganz in der Nähe des „Klosenkreuzes“ steht ein weiteres Wegekreuz zwischen Ackerflächen und Wirtschaftswegen.

Es muss nicht immer Basalt sein

Neben den Basaltkreuzen gibt es in der Osteifel viele Flurkreuze und Bildstöcke aus anderen Materialien. Ob am Feldrand, im Wald, an Wanderwegen oder in den Ortschaften selbst. Es sind wohl die letzten ihrer Art. Sieht man einmal davon ab, dass hin und wieder Angehörige und Freunde Verunglückten ein Kreuz an der Unfallstelle widmen. Mitte des 19. Jahrhunderts endete die Tradition der Wegekreuze.

Unter dem Titel „Sühnekreuze und Mordsteine“ gibt es eine Internetseite, die solche Flurdenkmäleer nach Bundesländern und Landkreisen auflistet und ihre Beschaffenheit und ihre Geschichte erzählt.  Leider habe ich dort nur einen winzigen Bruchteil dessen gefunden, was in der vulkanischen Osteifel beispielsweise tatsächlich vorhanden ist.

Mystisch und fotogen - Basaltkreuze in der Osteifel, Bildstock bei Lonnig mit Nebelstreifen
Sie haben Fotos oder Geschichten von Wegekreuzen?

Dann freue ich mich, wenn Sie sie mir für diese Seite zur Verfügung stellen. Schreiben Sie mir unter info@meineeifel.de.

Mystisch und fotogen - Basaltkreuze in der Osteifel, Foto Michael DIetzler

Dieses stimmungsvolle Foto, auf dem das Basaltkreuz so schaurig-schön wirkt, hat Michael Dietzler in Ochtendung an einem Frühlingsabend gemacht.

Basaltkreuz in Uersfeld

Diese Aufnahme stammt von Christof Schmalenbach. Das Basaltkreuz steht in Uersfeld.

Ein ganze Serie von Wegekreuzen hat mir Maria Graf aus Kalt geschickt. Sie hat sie auf einem Nachmittagsspaziergang rund um Kalt gefunden.