Eifelkultur, Eifeltypisches

Eifeler Platt – „Hillisch“- Polterabend in der Eifel

Die einen sagen „Hillisch“, die anderen „Hillesch“, geschrieben würde es korrekt „Hillich“ – gemeint ist immer dasselbe: „Hillisch“ ist Eifeler Platt und bedeutet Polterabend in der Eifel. Ein Abend der in den meisten Orten traditionell ausschließlich von Junggesellen gefeiert wird, fröhlich beginnt und mit starken Kopfschmerzen endet. Denn „Hilleisch“ bedeutet vor allem Trinken bis der Arzt kommt. Rainer Ningel aus Hambuch hat dazu in seinem Buch „So war die Eifel“ ein Gedicht geschrieben, in dem es auch um das traditionelle Aufnahmeritual in den Junggesellenkreis geht. Hier ein Auszug aus dem Gedicht:

……

Heute will der Hein es wissen.

Man hat ihn in die Mitt genommen,

die Augen ängstlich aufgerissen

harrt er der Dinge, die da kommen.

Damit ein jeder ihn kann sehen,

muss er auf dem Tische stehen.

Jetzt nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Hillesch!

Schnäpse, Bier, Likör und Wein

muss er in großen Mengen trinken.

Der Jubel und die Grölereien

hindern ihn am Niedersinken.

Ein letztes Bier auf einen Zug,

eine Zigarre, ’s ist genug.

Jetzt gehört der Hein dazu.

Hillesch!

…….

"Hillesch"- Polterabend in der Eifel

„Scherben bringen Glück“

In diesem Audio erzählt Rainer Ningel von der alten Tradition der „Hillisch“:

Rainer Ningel, Hambuch, Autor von gereimten Geschichten aus der Eifel

Rainer Ningel

Erst kürzlich habe ich in einem Rhein-Zeitungs-Artikel gelesen, dass auch in Luxem bei Monreal in der Eifel die „Hillisch“ seit hundert Jahren vom Junggesellenverein praktiziert wird. Hier ist allerding nicht vom Trinken die Rede, auch wenn ich davon ausgehe, dass das auch in Luxem nicht zu kurz kommt. Hier dreht der zukünftige Ehemann ein mit Metall beschlagenes Wagenrad, während die Braut eine Sense dagegen hält bis die Funken sprühen. So soll die Ehe geschliffen werden. Der tiefere Sinn dieses Brauches erschließt sich mir zwar nicht so recht, aber man muss ja nicht alles verstehen… Jedenfalls scheinen Brautpaar und Junggesellen, die das Schauspiel befeuern und bejubeln auch heute noch Spaß daran zu haben.

Rose Koll, Facebook-Fan von MeineEifel ergänzt das noch:

Hier bei uns kommt auch die „Hillichs-Kah“ zum Einsatz, aber schleifen tun die Junggesellen. Mit dem Lärm den die Sensen auf den metallbeschlagenen Rädern machen und infernalischem Gebrüll, simuliert man quasi einen „Belagerungszustand“ der erst aufgehoben wird, wenn der Bräutigam die Junggesellen für ihren herben Verlust entschädigt hat. Die Braut wird im Hillichspruch über den grünen Klee gelobt und auch die große Mühe, die die Junggesellen hatten, dieses zarte Pflänzchen zu beschützen, natürlich deutlich hervorgehoben. Nach soviel Poesie kommt man dann aber zum sehr prosaischen Kern der Aktion. „Ach, wir können es gar nicht fassen, dass wir von diesem schönen Mädchen müssen, lassen. Da muss doch eine Entschädigung her, sonst gibt es bestimmt ein großes Malheur.“ Und etwas weiter heißt es dann: „§ 7 unserer Junggesellen Ordnung lautet: Jeder junge Mann, welcher die Ehre hat, ein hübsches, junges, süßes, nettes, adrettes, humorvolles, zuvorkommendes, entgegenkommendes … (so geht es noch ein paar Zeilen weiter) … piekfeines Mädchen erhält, ist verpflichtet uns zu spenden, soviel Wein von der Ahr, bis wir mit den Gläsern winken und besoffen zur Erde sinken! Das „Zeremoniell beginnt mit Du schönste, Allerschönste was Hör ich von Dir …, gefolgt von „Im schönsten Wiesengrunde“. Dann der Spruch. Danach die symbolische Entlohnung, eine Runde Schnaps und dann Sah ein Knab ein Röslein stehn und die Danksagung. „Wir sagen dem Bräutigam Dank, er hat uns reichlich entlohnt, doch sind wir bei unserer guten Ware auch deftige Preise gewohnt.“ Es folgen Glück- und Segenswünsche und zum Schluss, … wir wünschen noch vieles, sei’s dies oder das … Alle: „Deo gratias“!

Willi Probstfeld, ehemaliger Ortsbürgermeister von Kalt verweist auf die Brauchtumsseite der Gemeinde. Besonders gut gefällt mir hier die Anekdote von „Henneres Traut“, einer alten Kalterin, die immer ganz besonders unter den Aktivitäten der Junggesellen gelitten haben soll.

Noch mehr Eifeler Geschichten und Gedichte

Rainer Ningel hat zwei Gedichtbände mit Geschichten aus der Eifel geschrieben. Darin geht es meistens in humorvoller Weise um typische Traditionen, das Leben der EIfeler im Speziellen und im Allgemeinen. Viele Gedichte sind in Eifeler Platt verfasst. In meinem Blogbeitrag „Gereimte Geschichten aus der Eifel von Rainer Ningel“ habe ich bereits darüber berichtet. Im Gegensatz zu hier gibt es Rainer Ningel dort auch im Video zu sehen.

Im Übrigen freue ich mich, von MeineEifel-Lesern ihre ganze eigenen „Hillisch-Geschichten“ zu lesen. Also gerne in den Kommentaren posten.

4 Kommentare
  1. Henny Monzel sagte:

    Liebe Martina ,
    Danke für diese wunderbaren Geschichten , heute die Hillisch
    schön das es nicht vergessen wird

  2. Alois sagte:

    Bei uns zu Hause in Düngenheim war eins der wichtigsten „ Hillesch-Lieder“… Auf der Elbe, bin ich gefahren….

  3. Edith Schwarz sagte:

    Liebe Frau Gonser,
    Sehr schön, dass Sie an den alten Hillisch-Brauch erinnern. Danke. Das Wagenradschleifen kenne ich auch noch. Es ging aber, so glaube ich, nicht so sehr ums Funkenschlagen, sondern um den jämmerlichen Krach. Dazu sangen die Junggesellen.“Du schönste der Schönen“. Alles zusammen war die Klage, das die Schönste nun vergeben ist. Es gab noch ein anderes Hillischlied, dass unbedingt gesungen werden musste:“ Als Gott den Adam erschaffen hat,das war der erste Mensch. nahm er eine Rippe aus seiner Seit und schuf daraus zu seinem Geleit………“ leider habe ich den Rest des Textes vergessen und kann ihn auch im Internet nirgends finden. Vielleicht gibt es jemanden, der Den Txt noch kennt?
    Liebe Grüße Edith Schwarz

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