Eifeltypisches

Die Eifelerin und ihre Kittelschierz

Das Titelfoto hat Dorothea Kirsch aus Gillenbeuren von Nachbarinnen gemacht. Sie ist Künsterlin und veranstaltet zusammen mit anderen jedes Jahr eine wunderschöne Outdoor-Ausstellung unter dem Titel „Sommernachts-Raum“. Darüber habe ich im vergangenen Jahr an dieser Stelle  geschrieben.

Die Eifelerin und ihr „Blaumann“ – Ein Gastbeitrag auf MeineEifel von Stefan Lieser

Fein geblümt oder einfarbig, mit kurzen Armen, vorne geknöpft: Das ist der „Blaumann“ der Landfrau: Die „Kittelschierz“. Darf doch nicht wahr sein? Von wegen.

„Die Älteren, ab Ü70, tragen es schon noch. Die Generation, die damit aufgewachsen ist, findet es einfach praktisch!“ Brigitte Willems , Mitglied  im Landfrauenverband Daun, der 1400 Mitglieder hat, muss es wissen. Und deshalb kommt es in ihrem Wohnzimmer in Oberstadtfeld jetzt zu Überraschendem. In mehrfacher Hinsicht, wie sich zeigen wird.

Christine Schmitz kommt herein. Sie fühlt sich ja etwas unwohl. Was für sie immer der Normalfall war, das, was sie gerade trägt, das soll etwas Besonderes sein? Ihre „Kittelschierz“? Seit ihrer Schulzeit ist das für die heute 84-Jährige doch nicht der Rede wert. Fast alle Frauen ihrer Generation in den Eifeldörfern trugen den „Blaumann der Landfrau“. Um die 50 dürften es alleine in ihrem Landfrauenleben gewesen sein, schätzt Christine Schmitz: Ein Kleid, früher aus Baumwolle, heute aus Mischgewebe, einfarbig, einfaches Muster, vorne geknöpft, knapp über Knie lang.

„Kürzer wäre damals auch unzüchtig gewesen“, erinnert sich Brigitte Willems. Dazu ist die Alltagstextilie ohne Arme, weit und bequem geschnitten, und hat zwei Seitentaschen: „Das ist die Kittelschierz“, da sind sich Christine Schmitz und Brigitte Willems sicher. Und sie irren!

Ja, das werde oft verwechselt, beginnt Heimatforscher Joachim Schröder aus Pronsfeld. Denn die „Kittleschierz“, umgangssprachlich im Dialekt auch nur der oder die „Kittel“ oder „Schierz“ genannt, ist tatsächlich schon seit mehr als 100 Jahren nicht mehr in Gebrauch. „Die richtig so bezeichnete war schwarz und eine tatsächliche Schürze. Sie hat sich vermutlich aus der ländlichen Tracht heraus entwickelt“ so Schröder. Was Christine Schmitz ihre „Kittelschierz“ nennt, ist hingegen – klar erkennbar – eine Art einfaches Kleid. Diese Variante des Blaumanns der Eifelerin löste die frühere Schürze wohl seit Ende des Ersten Weltkriegs allmählich ab, schätzt Schröder.

Hannelore Blameuser, die aus einer alten Steffelner Familie stammt, gibt dem Fachmann Recht: „Die Kittelschierz ist eine wirkliche Schürze, meine Oma hat sie noch getragen“. Die Schierz, nicht das Kleid, sei meist dunkel, auch schon mal schwarz gewesen. Waden lang. In der mit breiten Trägern am Rücken geknoteten weiten Schierz sei alles nur Mögliche transportiert worden: Obst, Gemüse, Einmachgläser aus dem Keller – einfach an den Enden zusammengerafft, fertig ist der Tragebeutel.  „Und in den Seitentaschen hatte meine Oma schon  mal ein paar Pfennige für uns Kinder dabei“, so Hannelore Blameuser. Die Bäuerin trug dazu im Sommer ein Kopftuch, das auch ein geknotetes Stofftaschentuch sein konnte.

Christine Schmitz in Oberstadtfeld stören solche Feinheiten nicht. Ihre „Kittelschierz“ ist jedenfalls das, was sie schon immer war: Ein Kleid, das schon ihre Mutter „morgens an, und abends ausgezogen hat.“ Für den Haushalt, Feld-, Garten- und Stallarbeit, beim Kochen und beim Putzen. Bei Festen oder der Kirmes gab es die Feiertagsvariante in Weiß. „Nur in der Kirche wurde sie nie getragen, allenfalls unter dem Mantel.“

Die Oberstadtfelderin jedenfalls trägt „den Kittel“, um das mit dem Kleid oder der Schürze einfach mal wegzulassen, weiterhin. War eine „Schierz“ kaputt und nicht mehr zu nähen, kaufte sie eben auf dem Krammarkt im nahen Daun eine neue. Wäre Oma Schmitz Online, ginge es mittlerweile einfacher. „Das kostet so um die 20 Euro, früher Mark. Teuer war die Schierz ja nie“, meint sie. So viel Getue um etwas so Normales! Aber wenn sie keine mehr hätte? „Dann würde mir was fehlen!“

Auf dem Blog von Stefan Lieser gibt es noch andere interessante Artikel.  Stefan Lieser ist Journalist, wohnt natürlich in der Eifel, und zwar in Hillesheim, und ist als Der Eifelschreiber unterwegs. 

Kittelschürzen aus dem Familienalbum

Ich hatte diesen netten Beitrag von Stefan Lieser und das tolle Titelbild auf Facebook entdeckt und auf der Facebook-Seite von MeineEifel geteilt. Schnell wurde eifrig kommentiert. Hannelore Tauchmann, die ihre frühen Jahre in  Miesenheim verbracht hat und heute in Australien lebt, postete sogar Fotos aus ihrem Familienalbum und stellte sie mir für diesen Blogartikel dankenswerter Weise zur Verfügung. Hier werden sicher bei Vielen von Ihnen Erinnerungen an die eigene Kindheit wach und so manche Eifelerin wird ihre Kittelschierz auch heute nicht missen wollen. Hannelore Tauchmann erzählte mir noch, dass es früher ein absolutes „No-go“ war, mit der Kittelschürze aus dem Haus zu gehen. Und bevor der Eheann nach Hause kam, musste der Kittel auch runter. Denn ab jetzt galt es, chic zu sein.

Die Kittelschürze gestern und heute

Ich habe mal im Internet unter dem Stichwort „Kittelschürze“ gestöbert, denn natürlich gab es die Kittelschierz nicht nur in der Eifel. Ich habe gestaunt, wieviele Kittelschürzen heute noch verkauft werden. Und wie viele Fotos sich dazu finden.

Dieses Foto auf dem Gourmet-Blog  einer Französin hat mir besonders gut gefallen:

Wo wir gerade bei Schürzen sind: besonders dekorativ sind auch diese Schürzen, die früher zu bestimmten Arbeiten über der Kleidung getragen wurden. Sie wurden hinten gebunden und sollten ebenfalls was hermachen, wie auf Wikipedia zu lesen ist:

Und das ist meine Küchenschürze: kein Kittel, nur was zum Umhängen und auch nur dann, wenn schon die ersten Spritzer beim Mixen, Rühren und schrubben auf dem guten Pulli oder T-Shirt gelandet sind.

Sie haben regelmäßig beim Kochen und Putzen eine Kittelschürze an? Eine, auf die sie nicht verzichten möchten? Dann schicken Sie mir doch ein Foto von Ihnen und Ihrer Schürze. Vielleicht bekommen wir ja noch eine kleine Bildergalerie zusammen. Fotos an info@meineeifel.de

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