Literatur aus der Eifel

Offene Herzen, offene Türen – Begegnungen auf dem Eifel-Camino

Als Florian Koßmann vor zwei Jahren Anfang Mai losgelaufen ist um von Andernach bis Trier auf dem Eifelcamino zu wandern, war das Wetter genauso schlecht wie zur Zeit. Deshalb war er nicht so erpicht darauf, im Zelt zu übernachten. Dieser Umstand verhalf ihm zu vielen schönen Begegnungen mit Menschen in der Eifel. Daraus ist ein lesenswertes Buch entstanden: „Offene Herzen, offene Türen – Begegnungen auf dem Eifel-Camino“

Offene Herzen, offene Türen - Begegnungen auf dem Eifel-Camino, Cover
Meine Meinung über das Buch

Florian Koßmann schreibt lebendig und unterhaltsam, schildert ausführlich seine Begegnungen mit den Eifelern in Dialogen und seine Gefühle beim Pilgern. All das steht im Vordergrund. Die Strecke selbst wird nicht so ausführlich beschrieben. Aber es ist ja auch kein Wanderführer. Dafür dass sich Florian als nicht religiös beschreibt, besucht er sehr viele Kirchen und Kapellen am Weg. Zuguter Letzt landet er sogar bei den Heilig Rock Tagen in Trier, worüber er bis zu diesem Moment noch gar nichts weiß.

Der Dreißigjährige hofft, beim Wandern mehr über sich selbst zu erfahren. Wie er leben möchte, was ihm im Leben wichtig ist. Das muss er auch immer wieder seinen neuen Bekanntschaften auf dem Weg erklären, was im Laufe der Lektüre ein wenig ermüdet.  Auch wenn Florian versucht, seine sich wiederholenden Erläuterungen abzukürzen. Die Erkenntnisse, die er im Laufe der achttägigen Wanderung gewinnt, sind nicht nur für ihn gewinnbringend und machen den Reisebericht absolut lesenswert.

In den einzelnen mit Zitaten überschriebenen Kapiteln beschreibt Florian seine Tagestouren. Etappenziele wie z.B. den Ort Monreal oder die Menschen, die er trifft und seine Gespräche mit ihnen. Seine Überlegungen während des Gehens, seinen Frust über das meist schlechte Wetter und seine Glücksgefühle über einen trockenen Platz in einem Gartenhäuschen und eine warme Suppe.

Das im Selbstverlag gedruckte Buch ist liebevoll gestaltet, der Text wird mit unterschiedlichen Schriften, mit Aquarellen und 30 Fotos aufgelockert. Empfehlenswert vor allem für diejenigen, die den Eifel-Camino wandern wollen, sich aber vielleicht noch nicht so richtig trauen.

Offene Herzen, offene Türen - Begegnungen auf dem Eifel-Camino,Eifel-Camino Wegmarkierung
Offene Herzen, offene Türen - Begegnungen auf dem Eifel-Camino,offene Landschaft auf dem Eifel-Camino

Der Eifel-Camino

In Anlehnung an den Jakobspilgerweg, hat die Mayener Matthias Bruderschaft 2008 angefangen, den Eifel-Camino auszuweisen. Er erstreckt sich auf einer Länge von 180 km zwischen Andernach Namedy und Trier und ist mit einer gelben Jakobsmuschel auf blauem Untergrund markiert.

Auf dieser Homepage gibt es Informationen zum Wegverlauf und Etappenzielen, zu Pilgerherbergen, Pilgerpass oder aktuellen Sperrungen.

Offene Herzen, offene Türen - Begegnungen auf dem Eifel-Camino, Pilgerstab
Wegekreuz in der Eifel
Drei Fragen an Florian Koßmann zu seinem Buch „Offene Herzen, offene Türen – Begegnungen auf dem Eifelcamino“

Was hat dir die Wanderung auf dem Eifel-Camino gebracht?

Sie hat mir gezeigt, dass die Welt nicht voller fremder, böser Menschen ist, sondern voller hilfsbereiter, interessierter und interessanter Menschen, die sich über Abwechslung freuen. Und die sich freuen, wenn sie helfen können und gebraucht werden. Und dass die Welt voller Freunde ist, denen man nur bisher noch nicht begegnet ist.
Dass die Menschen im Grunde gut sind. Man ihnen vertrauen kann und sie froh sind, wenn man sich für sie interessiert.

SIe hat mir gezeigt, dass ich mich einer Reise (und das Leben ist ebenfalls eine solche Reise) anvertrauen und hingeben darf, statt alles zu planen und zu kontollieren. Und dass mein Herz und meine Intuition mich immer genau zu jenen Menschen, an jene Orte und in jene Situationen bringen, die richtig und wichtig für mich sind. Der Verstand und sein Festhalten an Plänen sind dabei oft hinderlich.

Sie hat mir gezeigt, dass man auch in der eigenen Heimat Erfahrungen machen kann, die einen wachsen lassen.

Sie hat mir gezeigt, dass ich anscheinend eine sehr vertrauenswürdige, authentische und sympathische Ausstrahlung habe, wenn ich in meiner Mitte bin und nach meinem Herzen lebe. Denn sonst hätte mich wohl niemand bei sich übernachten lassen.

Sie hat mir gezeigt, wie gut es tut, dem Ruf seines Herzens zu folgen.

Sie hat mir gezeigt, dass es eine höhere Macht gibt, die die Hand schützend über mich hält, und die mir immer wieder den Ball (oder hilfsbereite Menschen) zuspielt.

Was hat dir die Wanderung in Bezug auf deine Heimat gebracht, nachdem du ja viel im Ausland unterwegs warst? Was hast du über die Eifeler und die Eifel gelernt?

Über meine Heimat oder die Eifel habe ich gerlernt, wie schön sie landschaftlich ist. Wie viel es hier zu sehen und zu entdecken gibt. Wie gerne ich dort wohne. Dass dort meine Heimat ist.

Ich habe gelernt, dass die Deutschen nicht grundsätzlich distanziert, kühl, berechnend, und ängstlich gegenüber Fremden sind. Sie sind hilfsbereit, wenn man freundlich auf sie zugeht und sie um Rat fragt. Sie freuen sich über aufgeschlossene Menschen und lassen sich auch gerne auf Scherze ein. Sie brauchen zwar manchmal einen Moment (auch einen längeren), um warm zu werden und in Fahrt zu kommen, und sie mögen auch sehr mit ihren inneren Glaubenssätzen ringen, wenn es darum geht, einem Fremden zu vertrauen und bei sich aufzunehmen … aber sie haben die Tendenz zum Vertauen und zum Helfen. Man muss sie nur wachkitzeln und ehrlich und authentisch zu ihnen sein.

Hast du nach deiner Wanderung noch Kontakt zu den Menschen gehabt, die dich so gastfreundlich aufgenommen haben?

Ja, zu einigen der Bekanntschaften hatte ich Kontakt. Das Paar, bei dem ich schon gleich am ersten Abend in Monreal übernachten durfte, habe ich zweimal in ihrem Restaurant besucht. Auch bei dem freundlichen Paar aus
Lutzerath bin ich gewesen und bei dem Hausmeister des Trierer Domes und seiner Frau war ich einmal zum Grillen eingeladen.

Offene Herzen, offene Türen - Begegnungen auf dem Eifel-Camino,Trierer Dom
Der Autor Florian Koßmann

Florian Koßmann wurde 1988 in Andernach geboren. Er wandert und reist gerne und ist schon in vielen Ländern als Backpacker unterwegs gewesen. 2018 ist er den Spanischen Jakobsweg gewandert. Die meiste Zeit in Flip-Flops übrigens. Seinen Job bei der Stadt Andernach hat er aufgegeben. Er tourt jetzt mit seinem VW-Bus durch die Gegend. In ihm wohnt er auch. Momentan ist Florian in der Türkei.

Buchautor von

„Offene Herzen, offene Türen – Begegnungen auf dem Eifelcamino“ gibt es als gebundenes Buch oder als eBook. Im Internet oder im Buchhandel. Für 22,00 €, bzw. 9,99 €.

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage von Florian Koßmann.

Sie haben Fragen zum Eifelcamino? Florian Koßmann gibt Ihnen gerne Tipps und freut sich über Feedback. Seine Emailadresse: offene_herzen_offene_tueren@web.de

Alle Fotos in diesem Blogbeitrag hat mir Florian Koßmann zur Verfügung gestellt.

Offene Herzen, offene Türen - Begegnungen auf dem Eifel-Camino, Florian Koßmann
2 Kommentare
  1. Hans sagte:

    Eine schöne Anregung zu Pfingsten, ich werde mir das Buch zulegen und mir Inspirationen entnehmen.
    Bin immer noch am schwanken, wollte eigentlich den Pfälzer Jakobsweg von Speyer nach Hornbach angegangen sein, leider ist mir Corona dazwischengekommen, mal sehen.
    Noch ein schönes Pfingstfest, herzliche Grüße Hans

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