Ausflugstipp

Heimatmuseum „Christinas Stube“ in Polch – Staunen über Uromas Wohnkultur

Das Heimatmuseum „Christinas Stube“ in Polch ist im Herbst letzten Jahres wiedereröffnet worden. Vor fünf Jahren ist die Sammlerin und Kunstmalerin Gisela Ackermann gestorben. Seitdem war es geschlossen. Die Polcherin hatte hier alles zusammengetragen, was ihr in die Finger gekommen war. Das Polcher Ehepaar Georgi, das mit Gisela Ackermann befreundet war, hat die Sammlerstücke geordnet und aus dem alten Museumsgebäude ein Schmuckstück gemacht.

Was gibt es in „Christinas Stube“ zu sehen?

Gisela Ackermann hat das Heimatmuseum nach ihrer Großmutter Christina benannt. Von ihr hatte sie viele Möbel und Gebrauchsgegenstände, die jetzt in der Küche, im Nähzimmer, im Wohn- oder Schlafzimmer zu sehen sind. Alte Kleidungsstücke, Kochutensilien oder Spielzeug. Puppen und Puppenstuben hatten es ihr besonders angetan. Sie wollte, dass eine Stiftung, der sie ihr Vermögen vermachte, diese Arbeit fortsetzt. Ihre Freunde Monika und Dieter Georgi sollten sich darum kümmern. Und das haben sie dann auch getan. Eine Herausforderung der besonderen Art. Denn es war eine Mammutaufgabe die Hinterlassenschaft der leidenschaftlichen Sammlerin zu sichten, zu ordnen und neu zu präsentieren. In vielen Fällen mussten sie mit sich ringen: was behalten, was wegwerfen? Immer wieder stellten sie sich die Frage: wie viel können wir zeigen, ohne dass der Besucher vor lauter Reizüberflutung das Weite sucht. Ein Problem, das viele Heimatmuseen haben, die von ihren Sammlern selbst bestückt wurden. Auch in Polch ist noch genügend übrig geblieben und man sollte sich viel Zeit nehmen, um sich alles in Ruhe anzuschauen.

Alter gusseisener Herd
Alte Maifelder Hochzeitstracht

„Christinas Stube“  – Ein Haus mit Geschichte

Das traditionelle Bruchsteinhaus, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist, gehört zu den schönsten in Polch. Leider gibt es nur noch wenige dieser Art und so hat das Gebäude selbst schon Museumswert. Es wurde in den letzten Jahren geschmackvoll renoviert. Die Georgis haben zwischen dem Museum und dem ehemaligen Wohnhaus der Sammlerin einen modernen Anbau geschaffen um den Puppenstuben und den historischen Puppen einen eigenen Raum zu geben.

Das typische Eifeler Bruchsteinhaus der Biedermeierzeit hat Gisela Ackermanns Urgroßvater 1860 gebaut, später hatte sie mit ihren Eltern darin gewohnt. Die Zimmer sind, wie damals üblich, sehr klein, die Treppe recht steil. Auch nach der Renovierung atmet das Haus die Geschichte längst vergangener Tage.

Heimatmuseum Christinas Stube Bruchsteinhaus

Die Ausstellungsstücke – Alltägliches, Kunstvolles und Kurioses

Bei meinem Besuch im Heimatmuseum „Christinas Stube“ hat mir besonders gut gefallen, dass mich Monika Georgi durch das Haus geführt hat. Sie hat mir viele Geschichten erzählt, die hinter den Ausstellungsstücken stecken. Ich habe erfahren, dass früher die Maifelder Braut nicht weiß, sondern schwarz trug und die Haartracht eine Art Haube war. Ganz besonders kurios und leicht makaber fand ich die sogenannten Haarbilder. Dieter Georgie erzählt, dass noch Anfang des 20. Jahrhunderts die Eltern verstorbener Kinder aus den Haaren der Kinder Andenkenbilder gefertigt haben. Damals hatte man von seinen Kindern kaum Fotos, da dienten die abgeschnittenen und kunstvoll drapierten Haare als Andenken.

Haarbild zum Andenken an Kind
Haarbilder verstorbener Kinder

Fast jedes Haus hatte damals ein Wandschränkchen. Es war im besten Sinne des Wortes in die Wand eingelassen. Hier wurde aufbewahrt, was einem lieb und teuer war. Platzsparend in den kleinen Räumen war es außerdem. So ein Wandschränkchen befindet sich auch in der Küche des Polcher Heimatmuseums.

Die Möbel stammen noch aus der Zeit zwischen 1870 und 1910. Manches Stück wurde in den letzten Jahren „aufgemöbelt“, poliert und restauriert. Das Mobiliar sowie die Alltagsgegenstände wie Porzellan, Töpfe oder Stickereien sind typisch für die gesamte Eifel des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. So mancher ältere Mensch wird sich bei ihrem Anblick auch noch an die eigene Kindheit erinnern.

alte Schlüssel am Schlüsselbrett
Wandkästchen, 20. Jahrhundert
Gisela Ackermann Polch